Alles Große in der Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut als er muss

Ein persönlicher Nachruf auf Wolfgang Sprotte von Barbara Weissenborn

Wenn wir in diesem Jahr dazu kommen, unsere Mitgliederversammlung abzuhalten, dann wird zum allerersten Mal in der inzwischen 16jährigen Vereinsgeschichte Wolfgang Sprotte nicht mehr dabei sein. Er war immer dabei. Bei der Gründung 2005, zur Eröffnung „unserer“ Ausstellung im Landtag, beim 10ten Geburtstag des Begegnungszentrums, in dem er gemeinsam mit seiner Frau Gertrud fast 30 Jahre lang einen Weserkauf geführt hat, bei den allermeisten Stadtteilfesten, Kulturabenden, zum Mittagstisch und auch einfach mal so, um nach dem Rechten zu sehen, auf einen Kaffee, auf ein Wort…

Den Verlust für seine Familie können wir nur erahnen, aber wir, der Verein, der seinen Namen trägt, wir verlieren ein Gründungsmitglied, einen wohlwollenden Förderer, einen Ratgeber und leisen Unterstützer, dem das Wohl des Hauses und die Idee des Vereins wichtig waren.

Wolfang Sprotte war ein wunderbarer Optimist mit der nötigen Portion Skepsis, mit Mut und Visionen vom besseren Zusammenleben und einer, der sich auf Ungewohntes einlassen konnte, sich mit guten Argumenten überzeugen ließ und der in seinem beeindruckenden Leben viel erreicht hat.

Nicht selbstverständlich, dass er einem Verein, den er kaum kannte, schon zur Gründung seinen guten Namen genehmigte und wir sind der Familie Sprotte sehr dankbar dafür. Das Sprotte sei immer schon ein Begegnungsort gewesen, berichtet er gerne, und das Ladengeschäft mit sehr innovativem Flair haucht dem Haus bis heute eine Aura ein, die etwas außergewöhnlich hat. Viele Menschen verbinden Erlebnisse und Geschichten mit dem Haus, das seit der Entstehung der Lehmwandlung die Mitte bildet. Hier entstehen Dinge und werden Sachen verwirklicht, von denen viele denken, dass sie nicht funktionieren. So ist es immer gewesen: schon zur Eröffnung seines Weserkaufs war es Wolfgang Sprotte gelungen Heidi Kabel und Henry Vahl zu einer Autogrammstunde in seinem Laden nach Nienburg zu locken.

Eine ebenso ungewöhnlich anmutende wie clevere Idee veranlasste Wolfgang Sprotte später im neuen Begegnungszentrum seinen runden Geburtstag zu feiern. Um das umgestaltete Haus und den rührigen kleinen Verein all seinen Freunden näher vorzustellen. Als Geschenk wünschte er sich damals eine Spende für den Sprotte-Verein. Und neben einer großzügigen Summe waren zahlreiche Gäste im Haus, die sonst wohl kaum den Weg zu uns gefunden hätten und uns seither fast so wohlgesonnen sind wie ihr Freund Wolfgang Sprotte. Eine „Einführung in die Nienburger Stadtgesellschaft“ sozusagen. Unbezahlbar!

Eine Frage, die ihn in der gemeinsamen Zeit, die uns vergönnt war, immer wieder bewegt hat war, ob das Engagement des Vereins auch von der Politik und der Verwaltung ausreichend gewürdigt werde. Und meine immer gleiche, diplomatische Antwort darauf war, dass nicht jeder sehen könne oder wolle, was er sehe… Dann hat er verschmitzt von seinem Kaffee aufgeschaut und nach einer kurzen Pause gesagt. „Da muss man also noch dran arbeiten“.

Das machen wir. Wir haben den Freund verloren, den feinen Menschen, den Ratgeber und Förderer. Aber wir behalten die Erinnerungen im Herzen, den Namen in Ehren und die Ratschläge im Kopf!

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